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“Public Speaking: eine ganz normale Sache” – Interview mit Raphael Schildgen

munichbusiness Events, Interview, Reden vor Publikum Leave a Comment

Raphael Schildgen ist Coach für Public Speaking und Breakdancer.  Dieses Jahr wird er bei TEDx in Kufstein auftreten und erzählen, wie er anhand dieser beiden Leidenschaften anderen hilft, ihre Ängste vor öffentlichem Reden zu überwinden.  Am 17.09 wird Raphael diese Rede bei unserem Club-Meeting präsentieren. Vorab ein Interview über seinen Werdegang, Wünsche für die Zukunft sowie wirksame Tipps, die öffentliche Rede zu verbessern.

 

Was hat dich dazu gebracht, dich mit Public Speaking zu beschäftigen?

Damals im Ingenieursstudium hatte ich viele Ingenieursfreunde. Ingenieursfreunde haben die Angewohnheit, die Welt in kleinem oder sogar atemberaubendem Maß verändern zu können. Allerdings bekommen Sie ihre Ideen meistens nicht verständlich auf den Punkt gebracht. Um ehrlich zu sein, fing der Weg zur Rhetorik bei einem Bierchen in der Bar an. Ein Freund fragte mich, ob wir nicht mal in diesen Rhetorik Club gehen wollen. Gesagt, getan. Dort wurde ich gefragt, ob ich nicht auch mal kurz auf die Bühne möchte. Gewagt, getan. Ab dem Moment hatte ich Feuer gefangen!

 

Wie haben sich die Anfänge im Public Speaking für dich gestaltet?

In meiner ersten Rede hatte ich einen Blackout, tausende Fachbegriffe und einen unanständigen Witz zum Leid der Frau in der ersten Reihe. (Sorry nochmal dafür!) Doch mit jedem Mal wurde es besser. Insbesondere dadurch, dass mir Menschen, die deutlich weiter als ich waren, wertschätzend ihr konstruktives Feedback gegeben habe. Hauptsache dranbleiben!

 

“Durch seine langjährige Bühnenerfahrung als Breakdancer weiß er, welchen bedeutsamen Einfluss die richtige Haltung auf die Wirkung und Präsenz auf der Bühne hat.” Wann hast du diese gedankliche “Verbindung” gemacht, wie sehr die Regeln von Breakdancing sich auch auf Public Speaking auswirken?

In einer der ersten Breakdance-Trainings mussten wir alle nach einander uns alleine vor die Gruppe stellen und selbstbewusst sagen, wer wir sind. Was erstmal einfach klingt, war für viele – und auch für mich – erstmal eine wahre Herausforderung! Der erste Move im Breaken ist die sogenannte „B-Boy Stance“: eine Haltung, in der man mit verschränkten Armen seinem Gegner selbstbewusst gegenübersteht. Dieses Mindset ist die Basis eines jeden Speakers.

 

Erzähl uns etwas von deinem Weg, europäischer Meister im Public Speaking zu werden.

Noch als relativer Rhetorik-Novize hatte ich die Ehre, die Rede der beiden amtierenden Europameister in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in unserem Rhetorik-Club zuhören zu dürfen. Der eine war ohnehin professioneller Redner seit vielen Jahren. Klar gewinnt er die Europameisterschaft! Aber der andere war Comicbuch-Autor – ein in meinen Augen eher unscheinbarer und introvertierter Mensch. Nach seiner atemberaubenden Rede habe ich ihn gefragt, wie er es geschafft hat, mit dieser Basis die Europameisterschaft zu gewinnen. Er sagte mir den zündenden Startfunken: „Ich hab einfach mal gemacht“.

 

“Durch seinen Hintergrund als Ingenieur konnte Raphael für sich ein System entwickeln, mit dem es ihm gelang, in kürzester Zeit hochkarätige Reden zu halten” Kannst du uns Einblicke in dieses System geben? 

Im Wesentlichen sind es 3 Schritte. Die Basis ist die Authentizität – schließlich wollen wir ja nicht wie der kleine Junge oder das kleine Mädchen klingen, das angestrengt ein Gedicht vorliest. Danach kommt die Redeeffektivität, in der wir uns ein konkretes Ziel für unsere Rede setzen. Was sollen die Zuhörer danach fühlen, denken oder machen? Wir optimieren die komplette Rede genau auf diesen einen Zweck. Die Spitze der Pyramide bildet die Rhetorik mit all ihren Techniken. Das Ironische ist, dass die meisten Menschen wegen der Spitze zu mir kommen und dann erstmal realisieren, dass sie gleich zwei Etagen übersprungen haben.

 

Was würdest du Toastmaster´n mitgeben, die gerade damit beginnen, sich mit dem Thema Rhetorik auseinanderzusetzen? 

Die Bühne ist der Platz des maximalen Wachstums – nicht der Sitz im Publikum. Trau dich auf die Bühne und vergleich dich nicht mit anderen. Die einzige Person die du besiegen musst ist dein gestriges Ich. 

 

Welche Ziele im Bereich Public Speaking schweben dir für die Zukunft vor?

Für viele Menschen ist die größte Angst, vor anderen Menschen zu sprechen. Der größte Traum wäre, dass Public Speaking in unseren Schulen unterrichtet würde und es mehr und mehr eine ganz “normale” Sache wird. 

 

“General rule: Take control and be a cause”. Könntest du diesen Spruch auf Public Speaking übertragen?

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Ja! Wir denken, dass wir nur eine Rede im Monat oder Jahr halten. Dabei halten wir jeden Tag mindestens 10 Stegreifreden an unsere Freunde, Familie oder uns selbst. Diese Reden können unfassbaren Einfluss auf unser Leben haben. Und da Übung ja den Meister macht, halte doch mal einen Toast, wenn du das nächste Mal auf einer Hochzeit oder einem Geburtstag bist 😉

 

Danke für das Interview!

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